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Zeit der Zukunft - Über den Umgang mit Nichtwissen


28.-30.04.2006 - Tagung an der Evangelische Akademie in Tutzing

Noch nie war soviel „Zukunft“ wie heute. Zukunftsfähigkeit ist angesagt. Zukunftsbüros werden eingerichtet. Doch für welche Zukünfte? Mit Prognosen, Szenarien und Delphi-Verfahren versuchen wir, die Zukunft in den Griff zu bekommen. Das heutige Wissen über vergangene Ereignisse verweist jedoch darauf, dass unser Optimismus, mit den Hilfsmitteln der Wissenschaft das Ungewisse zähmen zu können, ohne rechte Grundlage ist.

Unsere Informationen sind zum großen Teil unvollständig oder sogar falsch. Das gilt im Kleinen wie im Großen: Spekulationsblasen an den Börsen platzen, ohne dass der Mainstream der Analysten das vorhergesehen hätte. Trotz vieler Tests blieb die schädliche Wirkung der Fluorkohlenwasserstoffe in der Stratosphäre lange Zeit unerkannt. Unser Nichtwissen nimmt zu, je mehr wir versuchen, die Auswirkungen unseres Tun und Lassens auf die ökologischen Lebenszusammenhänge der Natur vorherzusagen. Statt unsere Aufmerksamkeit mit dem süßen Gift der Statistiken zu betäuben, ist es daher hohe Zeit, die Kunst zu erlernen, mit unserem unvermeidlichen Nichtwissen verantwortungsvoll und produktiv umzugehen. Das ist eine Herausforderung an unseren Lebensalltag ebenso wie an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – in unseren wandlungsintensiven Zeiten mehr denn je.

Zugleich gilt es, gerade im Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft die ökologischen und sozialen Hypotheken auf Zukunft zu minimieren. Der zu beobachtende Klimawandel ist ein offenkundiges Beispiel dafür, wie sehr die Gegenwart die Zukunft gleichsam kolonisiert und vorherbestimmt. Eine Politik der Vorsorge bedeutet daher immer auch, der Zukunft ihre Offenheit zu lassen bzw. zurückzugeben – statt sie den Bedürfnissen der Gegenwart zu opfern.

Wir laden Sie ein, sich in der Gegenwart auf unsere gemeinsame Zukunft einzulassen – in Diskussionen ebenso wie bei experimentellen, sinnlichen Erfahrungen der Zukunft in der Gegenwart. Im Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft und Politikberatung wollen wir über die Zukunft und Gestaltung von Zukunftsfähigkeit nachdenken sowie über die Chancen, die der produktive Umgang mit Nichtwissen eröffnet.

Programm

Freitag, 28. April 2006

Zum guten Anfang
14.00 Uhr   Beginn der Tagung mit Stehkaffee/-tee
14.30 Uhr   Zeit der Zukunft – Über den Umgang mit Nichtwissen;
                 Begrüßung und Einführung in die Tagungsthematik
14.45 Uhr   Die Geschichte der Zukunft; Prof. Dr. Lucien Hölscher, Universität Bochum
16.00 Uhr   Pause

Zukunft und Nichtwissen
16.30 Uhr   Leere und gelebte Zeit – Umgang mit Zukunft; Prof. Dr. Barbara Adam, Universität Cardiff und
                 Tutzinger Projekt „Ökologie der Zeit“
17:15 Uhr   Über den Umgang mit Nichtwissen: Wissenspolitik und Zeitpolitik; Dr. Stefan Böschen und Dr. Peter
                 Wehling, Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg
18.00 Uhr   Abendessen
20.00 Uhr   “Apocalypse now”; Zur Funktion von Endzeitszenarien in Comic, Film und Politik; Prof. Dr. Thomas
                  Hausmanninger, Christliche Sozialethik und Medienwissenschaften, Universität Augsburg
21.30 Uhr   informelle Gespräche in den Salons

Samstag, 29. April 2006

8.00 Uhr   Das Neue Jerusalem (Offenbarung des Johannes 21); Meditation am Morgen

Zukunft und Nichtwissen: Anwendungsfelder
09.00 Uhr   (1) Der Umgang mit neuen Risiken – Beispiel Versicherungswirtschaft; Dr. Martin Johanntoberens,
                  Münchener Rück, München
                 (2) Politisierung des Nichtwissens – Beispiel Gentechnik; Dr. Karen Kastenhofer,
                  Wissenschaftszentrum Umwelt, Universität Augsburg
10.10 Uhr   Pause
10.30 Uhr   (3) Die Kosten der Zukunft – Beispiel Klimawandel; Prof. Dr. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für
                  Wirtschaftsforschung, Berlin
                 (4) Verdrängung des Nichtwissens? – Beispiel Mobilfunk; Dr. Ina Rust, Wissenschaftszentrum
                  Umwelt, Universität Augsburg
11.40 Uhr   Pause
12.00 Uhr   Diskussion in parallelen Gruppen zu den Anwendungsfeldern
13.00 Uhr   Mittagessen
14.45 Uhr   Stehkaffee/-tee

Instrumente der Zukunftsgestaltung
15.15 Uhr   Wild Cards – Vom Umgang der Zukunftsforschung mit Ungewissheiten; Dr. Karlheinz Steinmüller,
                  Z_punkt The Foresight Company, Essen und Berlin
                  Gestaltung der Zukunft? – Umgang des Rechts mit Unsicherheit; Dr. Stefan May, Universität München
                  Deliberating Foresight-Knowledge for Policy; Dr. René von Schomberg, EU-Kommission, GD
                  Forschung, Brüssel (persönl. Stellungnahme)
17.00 Uhr   Pause
17.30 Uhr   Diskussion der Beiträge
19.00 Uhr   Abendessen
20.30 Uhr   „Leben hinterm Mond“; Kabarett mit Josef Brustmann, München
                  Anschließend informelle Gespräche in den Salons

Sonntag, 30. April 2006

8.00 Uhr „Das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu“; Meditation am Morgen

Vorwärts in die Zukunft – Zukunft in der Gegenwart erfahren
09.00 Uhr   Parallele Workshops: Zukunft visualisieren/greifbar machen
                 (1) Gestaltwandler, Interstellartouristen und Zeitmaschinisten; Zukünfte im Film; Dr. Alexander
                 Seibold, Filmemacher und Freier Mitarbeiter Bayerisches Fernsehen, München
                 (2) „Futuristisches Manifest für das 21. Jahrhundert“ VisionenEmotionenProjektionen – Collagen
                 Zukunftswerkstatt; Angela Steinmüller, Autorin und Dr. Karlheinz Steinmüller, Berlin
                 (3) Imagination freisetzen; Klänge und Bilder der Zukunft – Kreativworkshop; Prof. Dr. Johannes
                 Kemser und Christopher Oberhuemer, München
                 (4) Verwilderung; Zukunftspfade im Fluss der Zeit - Naturerfahrung; Caroline Fischer,
                 Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bayern, Eichstätt
10.30 Uhr   Kaffee/Tee
11.00 Uhr   Fortsetzung der Workshops
12.30 Uhr   Mittagessen

Verantwortung für die Zukunft – Gestaltung der Zukünfte
14.30 Uhr   Zukunftsfähigkeit – Erfahrungen zur Gestaltung der Zukünfte; Fishbowl – beginnend mit:
                  - Dr. Manfred Hellrigl, Büro für Zukunftsfragen der Vorarlberger Landesregierung, Bregenz
                  - Ingo Rollwagen, Deutsche Bank, Frankfurt
                  - Prof. Dr. Markus Vogt, Kath. Hochschule Benediktbeuern
                  - N.N., Zukunftsbüro Siemens, München (angefragt)
15.30 Uhr   Stehkaffee/-tee
16.00 Uhr   Fortsetzung Fishbowl

Zum guten Ende
17.00 Uhr   eine letzte Pause
17.15 Uhr  Hat die Zukunft ein Ende? – Hat das Ende eine Zukunft? Von offenen Enden und gelungenen
                Abschlüssen; Prof. Dr. Karlheinz A. Geißler, Universität der Bundeswehr, München und Tutzinger
                Projekt „Ökologie der Zeit“

Zeit zum Verabschieden
18.00 Uhr   Abschluss der Zeitakademie mit dem gemeinsamen Abendessen, es besteht die Möglichkeit der
                 Übernachtung zum Montag 1. Mai 2006.

Meldung vom 05.06.2008