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Vom Umweltwissen zum Umwelthandeln


Die Ergebnisse einer Fragebogenuntersuchung bei Medienvertretern und Studenten in Bayern zeigen in den Bereichen Mobilität und Ernährung deutliche Diskrepanzen zwischen Umweltwissen und Umwelthandeln. Gründe hierfür könnten in sozioökonomischen Zwängen liegen, z.B. vorgegebene Handlungsrahmen oder fehlende preisliche Anreize. So weiß beispielsweise die überwiegende Mehrheit der befragten Studenten um die umweltfreundlichen Wirkungen der Bewirtschaftungsform der ökologischen Landwirtschaft; Bio-Lebensmittel werden jedoch nur von 19% der Befragten „meistens“ und „oft“ bezogen.

Mit Hilfe des Nachhaltigkeitsindikators Ecological Footprint (EF) können Umweltwirkungen veranschaulicht und das persönliche Verhalten in den Konsum- und Lebensbereichen quantifiziert werden. Der EF ist die biologisch produktive Fläche unserer Erde, welche durchschnittlich pro Kopf zur Verfügung steht. Diese Fläche ist endlich und ihr Naturkapital Quelle des menschlichen Konsums. Als Grundlagenmatrix für die Bewertung des Konsumverhaltens der Untersuchungsgruppen wurde daher der Ökologische Fußabdruck von Bayern bestimmt. Dieser ergab in einer ersten Näherung 3,64 ha pro Einwohner und Jahr in Bayern. Er setzt sich zusammen aus den Konsumanteilen Nahrung (1,82 ha), Wohnen (0,67 ha), Mobilität (0,96 ha) und Güter (0,19 ha). Diese Teilflächen werden in Anspruch genommen, um den gegenwärtigen Lebensstil nachhaltig aufrechtzuerhalten. Die global zur Verfügung stehende biologisch produktive Fläche beträgt nach Wackernagel/Rees jedoch nur 2 ha pro Kopf. Durchschnittlich überschreitet Bayern also seinen Anteil an der globalen ökologischen Kapazität um 1,64 ha pro Einwohner.

Das Aufzeigen von Handlungsalternativen in den Untersuchungsbereichen der Studie kann dazu beitragen, dieses ökologische Defizit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu verringern und den Kreis von Umweltwissen zu Umwelthandeln zu schließen. Zweck der Untersuchung ist die Evaluierung von Umweltwissen und Konsumverhalten in den Bereichen Wohnen, Ernährung und Mobilität sowie die Quantifizierung des Naturverbrauchs in diesen Handlungsfeldern mit Hilfe des Indikatormodells Ecological Footprint. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Anhaltspunkte zur Entwicklung von Umweltkompetenzen für Alltagsbereiche zu gewinnen, Aussagen zur individuellen- sowie der Nachhaltigkeitssituation Bayerns zu treffen und Handlungsalternativen aufzuzeigen.

Prüfen von Methodiken zur Quantifizierung von Nachhaltigkeit:

  • Entwicklung eines Fragebogens zur Evaluierung von relevantem Umweltwissen- und -handeln in den Bereichen Wohnen und Mobilität

  • Entwicklung einer Access-Datenbank zur Eingabe und Auswertung der erhobenen Daten

  •  Qualitative Vorstudie: Testen des Fragebogens bei 30 unbekannten Studenten

  • Gesamterhebung bei den Redakteuren des Bayerischen Rundfunk (Hörfunk und TV), der Augsburger Allgemeinen Zeitung (Print) und des Donaukurier Ingolstadt (Print). Zusätzlich erfolgte eine Befragung von 148 Geographiestudenten (Lehramt und Magister) an der Universität Augsburg

Einige ausgewählte Ergebnisse der Studentenevaluierung:

  • Persönliche Mobilität wird von 78% als „sehr wichtig“ und „wichtig“ eingestuft. 48% erklären sich mit „eher nicht bereit“ und „nicht bereit“ gegen eine Einschränkung bei der persönlichen Mobilität, auch wenn damit eine bessere Umweltqualität einhergehen würde.

  • Die heutige anthropogene Umweltbeeinträchtigung bezüglich Klimawandel wird von 70% als „hoch“ und „sehr hoch“ eingestuft.

  •  79% der Studenten sehen in der Verbrennung fossiler Brennstoffe die Umwelt hinsichtlich des Treibhauseffekts „gefährdet“ und „sehr gefährdet“.

  • Jedoch nur 52% erkannten die CO2-Belastung der Atmosphäre als den Hauptverursacher des anthropogenen Treibhauseffekts.

  • Die Einschätzung des persönlichen Umweltbewusstseins wird vom Großteil der Studenten mit „gut“ bezeichnet. Anthropogene Umweltwirkungen werden meist erkannt, jedoch nur zum Teil mit dem Konsumverhalten des Menschen direkt in Verbindung gebracht.

Das Indikatormodell des Ecological Footprint erhebt keinen Anspruch auf detaillierte Nachbildung der Wirklichkeit. Da die globalen Zusammenhänge auch längst nicht exakt erfasst und erklärt sind, gibt es momentan auch keinen Indikator, der dies leisten könnte. Der EF ist nur eine Momentaufnahme unter gegebenen Bedingungen und erfassten bzw. erfassbaren Daten.

Als Prognosemodell, welches die Lebensbereiche Soziales, Wirtschaft und Ökologie auf anschauliche Art und Weise einbezieht, kann es jedoch einen wichtigen Beitrag im Agenda-Prozess leisten sowie im Selbstverständnis des Individuums, sich und sein Wirken innerhalb der Umwelt und dessen Naturressourcen zu erkennen. Zusamen mit sozioökonomischen Anreizen für Handlungsalternativen könnte Umweltwissen in -handeln kanalisiert werden und zu nachhaltigen Lebensstilen motivieren.

Projektdauer: 01.01.2002 - 28.02.2003

Weitere Informationen:
Dr. Christoph Klebel