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Umweltbildung - Fahrad fit für die Umwelt


Evaluation des fächerübergreifenden Schulsportprojekts "Fahrrad - fit für die Umwelt"

Sportprojekte in Schulen finden immer mehr Beachtung in der Unterrichtsgestaltung. Der praktische Bedarf an innovativen und qualitativ hochwertigen Projekten wirft Forschungsfragen im Sinne der Theorie-Praxis-Verknüpfung auf. Der Sportlehrplan in Bayern stellt den praktischen Rahmen der hier vorliegenden wissenschaftlichen Studie dar. Dieser enthält seit 1992 für alle Schularten den Lernbereich „Umwelt“ (Altenberger, 1993), der 2003 in „Umwelt und Freizeit“ umbenannt wurde.

Als eine Möglichkeit der Integration umweltrelevanter Themen in den Sportunterricht wurde in einem ersten Schritt das fächerübergreifende Projekt „Fahrrad –fit für die Umwelt“ auf der theoretischen Grundlage didaktischer Prinzipien (Bolscho, Eulefeld & Seybold, 1980; Radeff, 1996) konzipiert. Es hatte die Zielsetzung, Schülerinnen und Schüler für die Umweltproblematik zu sensibilisieren und ihr Umweltbewusstsein (De Haan & Kuckartz, 1996) zu verbessern. In einem zweiten Schritt wurde das Projekt im schulischen Kontext implementiert. Im Sommer 2003 führten vierzehn sechste Klassen aller Regelschularten das Programm im Rahmen eines einwöchigen Schullandheimaufenthalts durch.

Im Rahmen des Forschungsdesigns wurden im Sinne eines „mixed-methods“-Ansatzes zwei Forschungsinstrumente eingesetzt, um die Komplexität des sozialen Geschehens zu erfassen. In einer schriftlichen Befragung zu drei Zeitpunkten (t1= vor dem Projekt, t2= nach dem Projekt, t3= ein halbes Jahr später) wurde das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler quantitativ untersucht. Dazu wurden Konstrukte des „Integrierten Handlungsmodells“ von Rost, Gresele und Martens (2001) aufgenommen.

Die wissenschaftliche Leitfrage beschäftigte sich damit, inwieweit sich das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler durch das Projekt veränderte. In der Umweltforschung herrscht weitgehend Konsens darüber, dass sich das theoretische Konstrukt „Umweltbewusstsein“ durch drei Dimensionen beschreiben lässt: Einstellungen, Wissen und Handeln, welche sich nicht kausal aufeinander beziehen. Dies ergaben bisherige Studien, die in einer Metaanalyse von De Haan und Kuckartz (1996) erfasst und analysiert wurden. ProjektzielDie Stichprobe der Fragebogenerhebung entsprach einer Schülerzahl von 289, die vollständigen Datensätze über die drei Zeitpunkte hinweg ergaben eine Anzahl von 142 Schülerinnen und Schülern. Zusätzlich wurden alle Lehrkräfte nach dem Projekt interviewt. Im Folgenden werden die Ergebnisse der schriftlichen Befragung der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf die Veränderung ihres Wissens und Handelns dargestellt, da vor allem in diesen Bereichen Effekte auftraten.Das Projekt hatte Einfluss auf das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler. Feststellbar war eine signifikante Steigerung und nachhaltige Festigung des erworbenen Wissens. Das Wissen, das in der Projektwoche erworben wurde, war auch nach einem halben Jahrnoch bei den Schülerinnen und Schülern vorhanden. Wissen, das an konkrete Situationen geknüpftwar, stieg sogar in dem halben Jahr nach dem Projekt nochmals an. In Bezug auf das Umwelthandeln wurde eine Sensibilisierung der Kinder für Umweltthemen erreicht. Nach Angaben der Schülerinnen und Schüler wurden die Handlungen „Stromsparen“, „Mehr Radfahren“ („Sich weniger mit dem Auto fahren lassen“) im nächsten halben Jahr nach dem Projekt häufiger durchgeführt als vorher. Ein wichtigerPunkt war dabei die Relevanz von Handlungskontexten.

Es lässt sich konstatieren, dass Handlungen immer geknüpft sind an Handlungskontexte und damit erst die Möglichkeit bieten zur Veränderung im Handeln. Radfahren, Energie und Strom, sowie natürliche Gewässer sind Themen, die in der Lebenswelt der Schülerinnen undSchüler vorkommen. Pädagogische Interventionen müssen, wenn sie nachhaltig sein wollen, an dieseAlltagssituationen in der Lebenswelt von Jugendlichen anknüpfen.Sport und Bewegung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ein Grund für die nach eigenen Angaben gesteigerte Häufigkeit des Radfahrens ist, dass die Schülerinnenund Schüler Spaß am Radfahren haben. Im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, sich weniger mit dem Auto fahren zu lassen oder Strom zu sparen und geben beim Radfahren der Spaß an der Bewegung und die Freunde als intrinsische Faktoren den Ausschlag für die Realisierung einer vorgenommen Handlung.

Projektdauer: 01.06.2002 - 31.05.2005

Weitere Informationen:
Dr. Simone Lang