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Risikokonflikte visualisiert


Entwicklung internetbasierter Argumentationslandkarten

logo_risikokartierungDie Auseinandersetzungen mit Gefährdungslagen wie sie von Elektrosmog, nanoskaligen Materialien und Nahrungsergänzungsmitteln ausgehen, haben in den letzten Jahren öffentliche Risikodebatten in Gang gesetzt. Die entstandenen Diskussions-Arenen aus Expertisen, Gegenexpertisen und medialen Darstellungen sind aufgrund ihrer Komplexität und Dynamik für alle Akteure immer schwerer zu überschauen. Mit dem forschungsleitenden Stichwort der "systemischen Risiken" wird vor allem auf die Dynamik und Wandlungsfähigkeit dieser Risiken aufmerksam gemacht, die einen veränderten institutionellen Umgang mit Risiken erforderlich machen. Eine neue Form des gesellschaftlichen Umgangs mit systemischen Risiken soll im Rahmen des Projektes durch eine Kartierung von Risikodiskursen ermöglicht werden.

Angestrebt wird die Entwicklung eines Prototyps für die Darstellung von Risikokonflikten in Form von internetbasierten Argumentationslandkarten. Die Entwicklung des visualisierenden Verfahrens der Wissenserschließung und -kommunikation geschieht im Rahmen einer transdisziplinären Kooperation von Sozialwissenschaftlern, Informatikern und Praxispartnern. Die Argumentationslandkarten sollen eine neue Form des gesellschaftlichen Umgangs mit systemischen Risiken ermöglichen. Dazu werden drei beispielhafte Risikofelder (Elektrosmog, nanoskalige Materialien und Nahrungsergänzungs-mittel) mit den jeweils beteiligten Akteuren, Stoffen und Argumenten "kartiert" bzw. durch eine internetbasierte Verknüpfung von Zusammenhängen in Text und Bild rekonstruiert.

Mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Methoden der Diskurs- und Netzwerkanalyse werden Wissensansprüche, Risikoverständnisse und standortbezogene Beurteilungen der an dem jeweiligen Risikokonflikt beteiligten Akteure analysiert und beschrieben. Anschließend wird ein Softwaretool für die verknüpfende Darstellung dieser "Daten" auf internetbasierten Oberflächen entwickelt. Sobald erste Versionen von Visualisierungsformen vorliegen, die sowohl der Komplexität der Risikokonflikte als auch den Wünschen potentieller NutzerInnen gerecht werden können, wird in Workshops mit Stakeholdern die Tauglichkeit solcher Kartierungen für den Umgang mit systemischen Risiken optimiert.

Dabei wollen wir 3 Risikodiskurse analysieren und kartieren:

a) Elektrosmog
Mit der technischen Entwicklung von Mobilfunknetzen und deren flächendeckender Ausbreitung geht eine intensive öffentliche Debatte um mögliche gesundheitliche Auswirkungen einher. Vermutete Risiken elektromagnetischer Strahlung betreffen beispielsweise die Beeinflussung des Immunsystems, Neuronschäden oder eine erhöhte Krebsgefahr.

b) Nanoskalige Materialien
Partikel mit sehr kleinem Durchmesser weisen oftmals neuartige Eigenschaften auf, die inzwischen in vielen Produkten genutzt werden. Aus den Erfahrungen im Umgang mit Asbest ist bekannt, dass kleine Partikel, auch wenn der Stoff sonst nicht toxisch ist, gesundheitsschädigende Wirkung haben können. Vor diesem Hintergrund gibt es eine Debatte über die Risiken von Nanomaterialien, deren Intensität zunehmen wird, je mehr Konsumprodukte mit nanoskaligen Materialien aufgerüstet werden.

c) Nahrungsergänzungsmittel
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Eine wachsende, für VerbraucherInnen fast unüberschaubare Anzahl an Präparaten (z.B. Vitamine, Pflanzenextrakte) sind mittlerweile im Handel. Allerdings sind viele der ihnen zugeschriebenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Eine Überdosierung kann mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Die bestehenden rechtlichen Regelungen sind bisher lückenhaft, eine Zulassungspflicht besteht nicht.

Das Projekt wird im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. (MPS) und dem Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg durchgeführt.

Sozial-ökologische Forschung versteht sich als akteurs- und problemorientierter Forschungstyp, in dem Nachhaltigkeitsprobleme an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Natur bearbeitet werden.

Zur problemorientierten Analyse der Fallstudien und zur Sicherstellung eines gelingenden Transfers in die Praxis bestehen Kooperationsvereinbarungen mit dem World Environment Center (WEC, Washington / Augsburg), DIALOGIK (Stuttgart), dem International Risk Governance Council (IRGC, Genf), der Münchner Rück AG (München) sowie dem Bayerischen Landesamts für Umwelt, Abt. Forschungskoordination und Risikoanalyse (Augsburg / Erlangen). Eine Erweiterung der bislang etablierten Praxiskooperationen ist vorgesehen.

Zugleich kooperieren wir mit dem internationalen Netzwerk "Cartography of Scientific Controversies", einer Initiative von Prof. Bruno Latour (École des Mines, Paris) und Dr. Warren Sack (UC Berkeley), sowie mit der "Galerie der Forschung" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Dr. Albena Yaneva). [Flyer Risikokonflikte]

Projektdauer: 01.01.2006 - 31.12.2008

Durchgeführt wird das Projekt am WZU von:
Projektleitung: Dr. Stefan Böschen, Dr. Jens Soentgen
Martina Erlemann
Dr. Simon Meissner

Bei unserem Projektpartner MPS wird das Projekt bearbeitet von:
Projektleitung: Dr. Cordula Kropp
Gerald Beck
Astrid Engel