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Wissen und Handeln in der Grundschule


Der empirische Teil des Projektes startete mit Beginn des Schuljahres 2002/2003 im September 2002. Derzeit finden die zweite Fragebogenaktion, vertiefende Lehrerinterviews und die Definition weiterer zu erhebender Daten sowie die Auswertung der ersten Fragebogenaktion statt. Die eingegrenzte Dauer des Projektes schränkt die Möglichkeiten einer Ausweitung des Forschungsdesigns deutlich ein. Derzeit können nur erste Trends aus der Auswertung der ersten Fragebogenaktion sowie diverser Interviews mit Lehrern, Fachexperten und Erziehungsberichtigten wiedergegeben werden:

• Je ausgeprägter das Umweltinteresse der Erziehungsberechtigten selbst ist, desto eher werden Umweltthemen im Unterricht sowie Folgehandeln der Schüler befürwortet und unterstützt. Das Vorbild der eigenen Erziehungsberechtigten hat einen starken Einfluss auf die anfängliche Umweltorientierung der Schüler vor Beginn der forcierten Umwelterziehung in der Schule. Allerdings beeinflusst die Beschäftigung mit Umweltthemen durch die Schüler interaktional auch das Umweltbewusstsein der Erziehungsberechtigten.

• Je vielfältiger das didaktische Konzept der Umwelterziehung und je handlungsorientierter der Unterricht gestaltet ist, desto größer ist das Interesse der Schüler und die Remanenzzeit des angeeigneten Wissens sowie der angeeigneten „Umwelt-Kulturtechniken“. Die Kompetenz der Lehrer im Bereich Umweltbildung sowie die Möglichkeit handlungs- und projektorientiert zu unterrichten, beeinflusst das Erreichen der Lehrziele in besonderem Maße. Hier spielt auch das vorhandene Lernmaterial eine besondere Rolle.

• Vorbildhandeln des Lehrers und anderer dominanter „Anderer“ fördern die Änderung bzw. Ausprägung eigenen umweltbewussten Handelns der Schüler in Form von positiver Verstärkung, Anleitung und Bedeutungszuschreibung. Gemeinsame Aktionen der Schüler untereinander oder mit anderen Klassen, ggf.sogar an anderen Schulen, verstärken die Bedeutung, die das Thema für die Schüler persönlich hat und rechtfertigen eigene Aktionen, auch wenn z.B. die Eltern hier nicht unterstützend wirken.

• Vorhandene Möglichkeiten das eigene Wissen eigenständig zu erweitern und zu vertiefen werden gerne genutzt und führen auch zu einem breiten Interesse an Lernmedien und eigenen Recherchearbeiten. Diese müssen dann jedoch im Unterricht präsentiert und reflektiert werden können. Die dadurch gewonnen zusätzlichen generellen Sozial- und Methodenkompetenzen sind enorm. Selbst schwächere Schüler nutzen gerne die Möglichkeit, die z.B. ein handlungs- und projektorientierter Lernrahmen bietet.

Umwelterziehung im Grundschulalter steht einer doppelten Herausforderung gegenüber. Einerseits ist es unstrittig, dass eine frühe Einstellungsprägung sowie die Einübung der dazugehörigen Kulturtechniken einem zielgerichteten Umwelthandeln förderlich ist. Andererseits kann im Grundschulalter in wesentlichen Teilen nicht auf vorhandene Konzepte der Umweltbildung aus dem schulischen Sekundarbereich oder der Erwachsenenbildung zurückgegriffen werden, da Themen und Methodik oft nicht für den Grundschul- unterricht geeignet sind. Zudem finden Einstellungsprägung und Wissensaneignung im Grundschulalter besonders ausgeprägt in Form von Vorbildlernen und reflektiertem Erfahrungslernen statt.

Daher ist es wichtig festzustellen, welche Rolle Schule und Elternhäuser im Umwelterziehungsprozess spielen, welche didaktischen Methoden besonders geeignet erscheinen, welche Vorerfahrungen bei Lehrern, Kindern und Eltern vorhanden sind, welche wechselseitigen Einflussprozesse vorliegen usw.. Da bisher nur wenig Erfahrungswerte und Studien zu diesem Thema im Grundschulbereich vorliegen, wurde ein qualitativ-exploratives Forschungsdesign verwendet. Das Thema Wald wurde ausgewählt, da es im Umwelterleben der Schüler eine wichtige Rolle spielt und innerhalb der Richtlinien für die Umweltbildung an den bayrischen Schulen vom 22. Januar 2003 als Heimat- und Sachkundethema für die 3. Und 4. Klassen einen der Schwerpunkte bildet, so dass die Ergebnisse der Untersuchung auch in der Praxis umgesetzt werden können.

Die Akzeptanz von Umweltthemen im Unterricht ist bei Eltern und Schülern durchaus vorhanden, allerdings stehen „klassische“ Unterrichtsinhalte für die Eltern deutlich im Vordergrund. Erst wenn diese Inhalte hinreichend vermittelt wurden, unterstützen die Eltern die schulische Umwelterziehung, sofern ein individuell unterschiedliches als gedankliches Konstrukt vorhandenes inneres Zeitkontingent „Schule“ nicht deutlich überschritten wird. Je mehr die Eltern selbst im Bereich der Umweltthematik engagiert und informiert sind, desto eher unterstützen sie umweltbezogene Schulprojekte und den entsprechenden Unterricht, allerdings sind dann auch die Erwartungen der Eltern deutlich höher als bei Eltern, die sich selbst als nicht so umweltthemeninteressiert charakterisieren. Umweltinteressierte Eltern präferieren Projektunterricht, eigene weiterführende Aktionen der Schüler, die Möglichkeit selbst Schwerpunkte zu bilden und mit den Kindern diskutieren und reflektieren zu können. Insbesondere die Qualifikation des Lehrers, das Thema fachlich und didaktisch passend vermitteln zu können, wird von umweltinteressierten Eltern häufiger hinterfragt als in anderen Fächern. Die entsprechende Kompetenzattribution erfolgt hier nicht über die sonst eher übliche Kompetenzvermutung aufgrund der positionalen Verortung des Lehrenden, sondern über eingesetzte (förderliche) Konzepte und Methoden. Darüber hinaus benötigen die Lehrenden für einen erfolgreichen Umweltunterricht breite und fundierte fachliche, methodische und soziale Kompetenzen. Die Gestaltung der Sequenzen ist z.T. extrem aufwendig, so dass ein vorhandener Materialpool die Einsatzbereitschaft beim Lehrenden fördert und zur Qualitätssicherung beiträgt.

Die Fragebogenaktion erforderte aufgrund des qualitativen Designs einen relativ umfangreichen Fragebogen und eine umfängliche Ausfüllanleitung. Die Rücklaufquote variierte von über 80 Prozent bis hin zu 40 Prozent. Die Rücklaufquote korrelierte dabei wesentlich mit dem eigenen Umweltinteresse der Eltern, dem allgemeinen Engagement im Bereich „Schulleben“, dem Bildungsstand der Eltern und der zuerkannten Bedeutung des Themas für den Unterricht des Kindes. Das jeweilige Engagement des Lehrers bei der „Promotion“ des Fragebogens spielte eine eher untergeordnete Rolle.

Projektdauer: 01.06.2002 - 31.05.2003

Weitere Informationen:
Irmela Maria Bischoff