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Biobaumwolle


Baumwolle ist eine der wichtigsten Kulturpflanzen der Welt. Ca. 200 Millionen Menschen in mehr als 70 Ländern weltweit sind in der Baumwollwirtschaft beschäftigt und sie ist somit ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in den Entwicklungs- und Industrieländern.

Seit dem zweiten Weltkrieg nimmt der Verbrauch und somit auch die Nachfrage nach Baumwolle ständig zu. Trotz des Bevölkerungszuwaches ist die Gesamtproduktion seit 12 Jahren konstant geblieben (zw. 18-20 Mio. Tonnen /Jahr). Mit einem Weltmarktanteil von ca. 40% ist sie jedoch nach wie vor eines der wichtigsten Naturprodukte. Betrachtet man die zwölf größten Erzeugerländer, so stellen diese 90% der Weltproduktion. Durch ihre wirtschaftliche Vormachtstellung bestimmen diese Länder die Weltmarktpreise und Produktionsweisen. Deswegen sind sie für eine Änderung der vielfach nicht zukunftsfähigen Baumwollindustrie mitverantwortlich.

Die Lebensgrundlage für die Menschen in den Anbaugebieten von Baumwolle, aber auch die weltweite Versorgung mit Baumwolle, ist auf vielerlei Art gefährdet. Die Vergiftung der Böden und des Grundwassers durch die Bewässerung im Anbau und die intensive Anwendung von Dünger zur Ertragssteigerung führt zu Wasser- und Agrarflächenknappheit sowie zu erheblichen Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, daß jährlich drei Millionen Menschen durch den Einsatz verschiedener Pestizide erkranken und über 20 000 sterben.

Seit 1995 wird in Meatu (Westtansania, Region Shinyanga) ökologische Baumwolle angebaut. Im letzten Jahr 2000, waren es in Meatu 320 Bauern mit insgesamt 3 176 Acker Anbaufläche, die an dem Projekt beteiligt waren.

In dem Projekt "Biobaumwolle" wurden der konventionelle und der biologische Anbau von Baumwolle in Tansania im Hinblick auf ökologische, ökonomische, soziale gegenübergestellt und Lösungsansätze für eine nachhaltige Nutzung der Baumwolle erarbeitet.

In der Arbeit Global cotton crisis and sustainable development (Augsburg 2005, Tellus-Facta), die über das WZU bezogen werden kann, untersucht Dr. Riyaz Haider zunächst die Auswirkungen des konventionellen Baumwollanbaus in Tansania. Zugleich stellt er aufgrund empirischer Erhebungen die Nachhaltigkeitseffekte dar, die der Anbau von Biobaumwolle in Tansania herbeiführt, bzw. die Wirkungen, die ein vermehrter Anbau ökologisch angebauter Baumwolle entfalten könnte. Eingeleitet wird die Studie mit einer Darstellung der globalen Baumwollökonomie.

Um das, was in dem Projekt theoretisch erarbeitet wurde, praktisch umzusetzen, gründete Dr. Riyaz Haider die biosustain e.K. / biosustain limited (Augsburg / Dar-es-Salaam), den ersten spin-off aus dem WZU. biosustain handelt mit nachhaltig produziertem Sesam, Bienenwachs und Biobaumwolle aus Tansania, die an Kunden in Deutschland weiterverkauft werden. Die Firma fördert den ökologischen Anbau, ist Abnehmerin der Produkte von rund 660 Kleinbauern und beschäftigt in Tansania 10 Mitarbeiter. Die Bauern erhalten für ihre Produkte einen Premiumpreis. Durch vor-Ort-Schulungen durch biosustain und Erfahrungsaustausch können oft bessere Ernten erzielt werden. So können die Lebensbedingungen in den dörflichen Gemeinschaften spürbar verbessert werden. Das WZU unterstützt die Ziele von biosustain e.K. und steht der Firma weiter beratend zur Seite. Finanziell gefördert wird die Firma biosustain von der EPOPA (Export Promotion of Organic Products from Africa), einem Projekt des schwedischen Entwicklungsministeriums.

Weitere Informationen:
Dr. Riyaz Haider
www.biosustain.de