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Nachhaltiger Umgang mit Wasser in den Alpen


alpenwasserWasser ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Erhalt der Ökosysteme aber auch für die sozioökonomische und kulturelle Entwicklung einer Volkswirtschaft. In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass sich der Wasserbedarf sowohl in den Alpen als auch in Europa seit Anfang des 20. Jahrhunderts insgesamt verzehnfacht hat.

Aufgrund ihrer geographischen Lage und ihrer topographischen Eigenschaften sind die Alpen als hydrologisches Speichersystem und "Wasserschloss Europas" von besonderer Bedeutung für die Versorgung weiter Teile Europas mit ausreichend Frischwasser. Vor diesem Hintergrund ist die die Verfügbarkeit von hochqualitativem Wasser aus dem Alpen auch für die Europäische Union zunehmend von hohem Interesse. Einige dieser Interessen liegen vor allem im Bereich der Nutzung der Wasserkraft für die Energieproduktion sowie die kontinuierlich steigende Nachfrage nach hochqualitativem Trink- und Brauchwasser insbesondere im Bereich des Tourismus. Die zunehmenden Ansprüche an die alpinen Wasserressourcen stellen somit eine enorme Belastung für die oft sehr sensiblen Ökosysteme in diesem Gebirgsraum dar und stellen gerade die lokalen und regionalen Akteure vor neue Herausforderungen.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich zudem gezeigt, dass eine Verlagerung der Kontrolle über den Zugang und die Nutzung des Alpenwassers, insbesondere im Bereich der Wasserkraftnutzung und der zukünftigen Privatisierung und Liberalisierung des europäischen Wassermarktes, in außeralpine Gebiete Europas stattfindet. Dies ist gleichzeitig mit einer Minderung der Selbstbestimmung der Alpenbevölkerung verbunden. Dabei wird das Wasser oftmals zum Produktionsmittel und Handelsgut degradiert, ohne die sozialen, ökologischen und vor allem vitalen Beeinträchtigungen in den betroffenen Gebieten der Alpen zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund gilt es für den Alpenraum - als Wasserschloss Europas - Perspektiven für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu entwickeln.

Hauptanliegen des Projektes war es deshalb, in Zusammenarbeit mit regionalen und lokalen Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Strategien und Maßnahmen für einen "nachhaltigen Umgang mit Wasser in den Alpen" zu erarbeiten. Der Zeitraum für das Projekt betrug 2 Jahre. Anhand exemplarischer Regionen wurden zunächst die grundlegenden Rahmenbedingungen ermittelt, die eine Voraussetzung für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser bilden. Darauf aufbauend wurden bereits vorhandene regionale Konzepte analysiert und hinsichtlich ihrer Schwerpunkte untersucht. Anschließend wurden für die exemplarischen Untersuchungsregionen Konzepte für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser entwickelt. Diese Strategien berücksichtigen einerseits die regionalen Rahmenbedingungen, Anforderungen und Bedürfnisse alpiner Gebiete rund um das Thema Wasser und sind andererseits in ihren Grundzügen auf andere alpine Regionen und gegebenenfalls auf außeralpine Regionen mit ähnlichen Frage- und Problemstellungen übertragbar. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Beteiligung von Stakeholdergruppen im Rahmen partizipatorischer Ansätze oder Public Private Partnerships gelegt, die auf regionaler Ebene verstärkt sozial- und umweltverträgliche sowie innovative Umgangsformen ermöglichen und zudem wirtschaftspolitische Perspektiven bieten können. Gerade in den Alpen als sensibler Natur- und Kulturraum, der Ausgangspunkt für viele große hydrologische Einzugsgebiete darstellt, sind entsprechende Entwicklungsansätze von besonderer Bedeutung, da am Kulturgut Wasser sehr deutlich gezeigt werden konnte, dass aufgrund von ausgeprägten Unter- und Oberanliegerverhältnissen ein gleichberechtigter Zugang zu Wasser nicht überall gewährleistet ist. Entsprechend optimierte Konzepte sind somit nicht nur für den Alpenraum von Interesse, sondern können auch für Regionen außerhalb der Alpen als Model für ein optimiertes Wassermanagement dienen.

In diesem Sinne versucht das Projekt die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung des Alpenraums, insbesondere für eine zukunftsfähige Nutzung des Alpenwassers, auf lokaler und regionaler Ebene zu unterstützen und gleichzeitig Lösungsansätze für zukünftige Frage- und Problemstellungen im Umgang mit Wasser aufzuzeigen.

Weitere Informationen:
Dr. Simon Meißner